
Marken und Live-Kommunikation
L’Oréal und Experience Marketing: Wie Beauty Tech die reale Markenerfahrung erweitert
Dieser Deep Dive ist Teil der NEXTLIVE-Serie „Experience Marketing: Was Porsche, Red Bull und L’Oréal zeigen“
L’Oréal verbindet Beauty, Daten, künstliche Intelligenz und physische Touchpoints. Der Konzern zeigt, wie Technologie reale Markenerlebnisse nicht ersetzen, sondern personalisieren und erweitern kann.
Beauty ist digitalisierbar, aber nicht vollständig digital
Beauty gehört zu den Produktwelten, in denen physische Erfahrung besonders wichtig bleibt. Farbe, Textur, Haut- und Haargefühl, Anwendung, Beratung und das Ergebnis am eigenen Körper lassen sich digital unterstützen, aber nicht vollständig ersetzen.
Gleichzeitig hat L’Oréal Technologie zu einem strategischen Bestandteil seiner Consumer Experience gemacht. Der Konzern beschreibt Beauty Tech als Weg, neue Touchpoints, Services und personalisierte Beauty-Erlebnisse zu entwickeln.
Im Geschäftsjahr 2025 meldete L’Oréal mehr als 120 Millionen Nutzungen seiner Beauty-Tech-Services in 66 Ländern und über 31 Marken. Der Konzern verfügt nach eigenen Angaben über 8.000 Digital-, Tech- und Data-Spezialisten. Beauty Tech ist damit kein einzelnes Messeexperiment, sondern Teil der Unternehmensstrategie.
VivaTech als physisches Schaufenster für digitale Innovation
Wie diese Strategie real erlebbar wird, zeigte L’Oréal 2025 auf der Viva Technology in Paris. Bei seiner neunten Teilnahme präsentierte das Unternehmen nach eigenen Angaben sein bis dahin größtes und fortschrittlichstes Portfolio technologiegestützter Beauty-Innovationen.

L’Oréal, Social Media & Brand Strategy with AI, VivaTech 2024, Paris. © 3(MG)², CC BY-SA 4.0
Zu den Anwendungen gehörte das YSL Beauty Hyper Look Studio. Gäste konnten einen aktuellen Beauty-Moment aus einem kuratierten Social-Media-Feed auswählen und über virtuelle Try-on-Technologie auf sich übertragen.
Der Ablauf verbindet mehrere Welten: Ein Trend entsteht digital, wird durch Daten und Technologie verarbeitet und in einem physischen Markenraum persönlich erfahrbar.
Personalisierung verändert den physischen Touchpoint
Beauty Tech geht bei L’Oréal weit über virtuelle Make-up-Tests hinaus. Der Konzern arbeitet mit KI-gestützter Beratung, Haut- und Haaranalyse, personalisierten Empfehlungen und professionellen Diagnosetools.
Ein Beispiel aus dem Professional-Products-Geschäft ist Kérastase K-SCAN, eine KI-gestützte Kamera für Haar- und Kopfhautdiagnostik. L’Oréal gab für 2025 an, das System in 10.000 Salons weltweit eingesetzt zu haben. Die Technologie soll Friseuren zusätzliche Daten und Beratungsmöglichkeiten geben und damit Leistungen ermöglichen, die Kunden zu Hause nicht in gleicher Form reproduzieren können.
Der physische Ort gewinnt durch digitale Technologie an Funktion. Beratung wird datenbasierter, das Erlebnis persönlicher und der Kontaktpunkt messbarer.
Digital und IRL werden zu einer Customer Experience
Die übliche Gegenüberstellung von Online und Offline greift bei solchen Anwendungen zu kurz. Ein Verbraucher kann einen Trend auf Social Media entdecken, digital ein Produkt ausprobieren, im Store oder Salon eine Diagnose erhalten und anschließend online weiterkaufen oder beraten werden.
Aus einzelnen Kanälen entsteht eine zusammenhängende Journey.
Für Experience Marketing bedeutet das einen Perspektivwechsel. Technologie ist nicht nur ein Werkzeug zur Digitalisierung eines Erlebnisses. Sie kann den realen Moment selbst verbessern, indem sie zusätzliche Information, Personalisierung oder Interaktion ermöglicht.
Was andere Unternehmen daraus lernen können
Die Mechanik ist nicht auf Kosmetik beschränkt. Überall dort, wo Produkte erklärungsbedürftig, beratungsintensiv oder individuell konfigurierbar sind, kann Technologie den realen Touchpoint aufwerten.
Das betrifft beispielsweise Automotive, Healthcare, Retail, Interior, Sport, Fashion oder B2B-Produkte. Entscheidend ist nicht, möglichst viel Technologie in eine Experience einzubauen. Entscheidend ist, ob sie dem Menschen hilft, das Produkt besser zu verstehen, eine bessere Entscheidung zu treffen oder eine relevantere Erfahrung zu machen.
Die NEXTLIVE Perspektive
L’Oréal zeigt, wie fließend die Grenze zwischen digitalem und physischem Marketing wird. Wenn reale Touchpoints mit Daten, KI, Content und personalisierten Services verbunden werden, entstehen neue Anforderungen an die Infrastruktur dahinter.
Teilnehmer- und Kundendaten, Anwendungen, Hardware, Locations, Personal, Dienstleister und digitale Systeme müssen zusammenspielen. Der Event oder der physische Ort wird Teil einer größeren Customer Experience.
Für NEXTLIVE ist genau diese Verbindung entscheidend: Die Zukunft von IRL-Marketing ist nicht analog. Sie ist technologisch unterstützt, datenfähig und trotzdem menschlich.
Bildquellen: © Marc A. Hermann / MTA, CC BY 2.0 3(MG)² (CC BY-SA 4.0)
THEMEN
L’Oréal Beauty Tech, Beauty Experience, KI im Marketing, IRL-Marketing, Customer Experience