
Marken und Live-Kommunikation
Porsche und Experience Marketing: Wie aus Fahrerlebnissen eine globale Markeninfrastruktur wird
Dieser Deep Dive ist Teil der NEXTLIVE-Serie „Experience Marketing: Was Porsche, Red Bull und L’Oréal zeigen“
Porsche zeigt, wie Experience Marketing über einzelne Events hinausgehen kann. Das weltweite Netz der Porsche Experience Center verbindet Produkt, Marke, Community und Hospitality in einer dauerhaften physischen Infrastruktur.
Experience Marketing beginnt bei Porsche mit dem Produkt
Bei einem Sportwagen liegt die Stärke realer Markenerlebnisse auf der Hand. Design lässt sich digital darstellen, technische Daten lassen sich vergleichen und Fahrzeuge lassen sich online konfigurieren. Beschleunigung, Fahrdynamik, Sound und das Gefühl hinter dem Lenkrad bleiben dagegen physische Erfahrungen.
Porsche hat diese Besonderheit systematisch in seine Markenarchitektur übersetzt. 2008 eröffnete in Silverstone das erste Porsche Experience Centre. Aus einem einzelnen Standort wurde ein internationales Netzwerk: Porsche spricht heute von bald elf Experience Centern und zusätzlich fünf Porsche Driving Centern auf vier Kontinenten.
Das ist mehr als Eventmarketing. Es ist eine Infrastruktur, die es der Marke ermöglicht, ihr Produktversprechen an verschiedenen Orten nach einem wiedererkennbaren Prinzip real erlebbar zu machen
Was ein Porsche Experience Center tatsächlich leistet
Die Standorte verbinden Fahrmodule mit Marken- und Produkterlebnissen. In Los Angeles gehören beispielsweise Handling- und Offroad-Strecken, Drift Circle und Ice Hill zum Angebot. Das 2025 eröffnete Experience Center Toronto kombiniert eine mehr als zwei Kilometer lange Fahrstrecke mit Simulatoren und Meetingräumen für Gruppen.
Damit erfüllen die Center mehrere Aufgaben gleichzeitig. Sie ermöglichen Probefahrten und Fahrertrainings, schaffen einen hochwertigen Kontaktpunkt für Kunden und Interessenten, bieten Raum für Business- und Hospitality-Formate und machen die Marke für Fans und Communities zugänglich.
Porsche beschreibt die Experience Center selbst als Orte, an denen Kunden Fahrspaß und Einblicke in das Herz der Markenwelt erhalten. Detlev von Platen, damals Vorstand für Vertrieb und Marketing, formulierte 2024 die strategische Idee dahinter:
Porsche sei mehr als ein Auto, sondern das Versprechen eines besonderen Marken- und Produkterlebnisses.

Macan Turbo Electric, Porsche Experience Center Leipzig, 2024 © Porsche AG
Vom temporären Event zum permanenten Touchpoint
Für Experience Marketing ist vor allem die Dauerhaftigkeit interessant. Eine klassische Markenkampagne hat einen Anfang und ein Ende. Ein Experience Center ist ein permanenter Touchpoint.
Dadurch kann Porsche Erlebnisse wiederholen, standardisieren und gleichzeitig lokal anpassen. Silverstone, Leipzig, Atlanta, Los Angeles, Shanghai, Hockenheim, Franciacorta, Tokyo oder Toronto sind unterschiedliche Orte. Die Grundidee bleibt dieselbe: Menschen sollen Porsche nicht nur betrachten, sondern selbst erfahren.
Genau darin liegt der infrastrukturelle Charakter. Fläche, Strecke, Architektur, Fahrzeuge, Instruktoren, Hospitality, Buchung, Daten und Markeninszenierung müssen als zusammenhängendes System funktionieren.
Was andere Unternehmen daraus lernen können
Nicht jede Marke braucht eine Rennstrecke. Das übertragbare Prinzip ist ein anderes: Wenn ein Produkt oder eine Marke durch unmittelbare Erfahrung besser verstanden wird, kann es sinnvoll sein, aus einzelnen Aktivierungen wiederkehrende Experience-Plattformen zu entwickeln.
Das kann ein Experience Center sein, aber auch ein Showroom, ein Innovation Lab, ein Customer Center, ein dauerhaftes Community-Format oder eine wiederkehrende Roadshow.
Experience Marketing wird dann weniger als Veranstaltung gedacht und stärker als eigener Touchpoint innerhalb der Customer Journey.
Die NEXTLIVE Perspektive
Porsche zeigt besonders deutlich, wohin sich IRL-Marketing entwickeln kann: vom einzelnen Event zur systematisch aufgebauten Experience-Infrastruktur.
Mit dieser Entwicklung steigen auch die organisatorischen Anforderungen. Standorte, Formate, Teilnehmer, Dienstleister, Assets, Daten und Learnings müssen über viele einzelne Erlebnisse hinweg gesteuert werden.
Genau an diesem Punkt wird Infrastruktur relevant. Wenn reale Touchpoints dauerhaft Teil der Marken- und Kundenstrategie werden, reicht es nicht mehr, jede Veranstaltung isoliert zu organisieren. Die reale Customer Journey braucht Strukturen, Daten und Prozesse, die mit ihr wachsen können.
Bildquellen: © Porsche AG
THEMEN
Porsche Experience Center, Brand Experience, IRL-Marketing, Live-Kommunikation, Customer Experience