Der AI-Summit in Budapest bringt IRL-Marketing und KI zusammen.

Digital & Hybrid

Warum KI die Live-Kommunikation nicht ersetzt, sondern größer macht

KI automatisiert Planung, Content, Registrierung, Analyse und Personalisierung. Gerade dadurch kann der Wert realer Begegnungen steigen: Menschen gewinnen mehr Raum für Vertrauen, Emotion, Beziehung und Entscheidungen.

Künstliche Intelligenz verändert gerade nahezu jede Kommunikationsdisziplin. Inhalte entstehen schneller. Daten werden automatisiert ausgewertet. Prozesse lassen sich mit Agents organisieren. Personalisierung wird skalierbar.

Für Live-Kommunikation und Experience Marketing wirkt das auf den ersten Blick wie eine Bedrohung. Wenn immer mehr Kommunikation digital erzeugt, automatisiert und personalisiert werden kann, braucht es dann überhaupt noch reale Veranstaltungen?

Die wahrscheinlichere Entwicklung ist das Gegenteil.

Je mehr KI Routine, Information und Organisation übernimmt, desto deutlicher wird der Wert dessen, was sich nicht beliebig automatisieren lässt: Vertrauen, gemeinsame Erfahrung, spontane Interaktion und menschliche Beziehung.

KI macht IRL Marketing nicht kleiner. Sie kann es effizienter, relevanter und damit größer machen.

KI übernimmt einen wachsenden Teil der Eventorganisation

Diese Entwicklung ist bereits sichtbar. In einer europäischen Cvent-Befragung nutzten 54 Prozent der Eventplaner KI bereits bei der Venue-Suche. 69 Prozent erwarteten, KI künftig noch stärker dafür einzusetzen.

Masterclasses und Keynotes beim AI-Summit in Budapest. © Elekes Andor, CC BY 4.0

Die Anwendungen sind konkret: Angebote vergleichen, Locations recherchieren, RFPs erstellen, Eventtexte schreiben, Registrierungsprozesse vereinfachen, Teilnehmerfragen beantworten, Besucher segmentieren und Daten auswerten.

Auch die Teilnehmererfahrung wird automatisierbarer. KI kann individuelle Agenda-Empfehlungen erstellen, passende Kontakte für Networking vorschlagen, Session-Inhalte zusammenfassen oder Follow-up-Kommunikation personalisieren.

Was früher viel manuelle Arbeit erforderte, kann damit zunehmend im Hintergrund stattfinden.

Mehr Automatisierung bedeutet nicht weniger Begegnung

Interessant ist, dass die zunehmende Nutzung von KI nicht mit einem Rückgang physischer Veranstaltungen einhergeht.

Im Cvent Planner Sourcing Report erwarteten 59 Prozent der europäischen Planer für 2025 mehr Onsite-Events und 60 Prozent mehr Offsite-Events. Gleichzeitig wächst die Nutzung KI-gestützter Werkzeuge.

Technologie und reale Begegnung entwickeln sich also nicht zwangsläufig gegeneinander. Sie übernehmen unterschiedliche Aufgaben.

Der AI-Summit in Budapest diskutiert Zukunftsthemen, die Digital und IRL berühren. © Elekes Andor, CC BY 4.0

Microsoft beschreibt die neue Arbeitsteilung zwischen Mensch und KI

Der Microsoft Work Trend Index zeigt diese Verschiebung weit über die Veranstaltungswirtschaft hinaus. 82 Prozent der befragten Führungskräfte bezeichneten 2025 als entscheidendes Jahr, um zentrale Aspekte von Strategie und Betrieb neu zu denken. 46 Prozent gaben an, Agents bereits zur vollständigen Automatisierung von Workstreams oder Geschäftsprozessen einzusetzen.

Microsoft spricht von einer neuen „human-agent ratio": Unternehmen müssen entscheiden, welche Aufgaben digitale Agents übernehmen und an welchen Stellen Menschen den größeren Wert schaffen.

Der Bericht nennt ausdrücklich Situationen, in denen Kunden einen menschlichen Kontakt bevorzugen oder verantwortliche menschliche Entscheidungen erwarten.

Für IRL Marketing ist genau diese Arbeitsteilung entscheidend.

KI skaliert Information. Menschen schaffen Vertrauen.

Eine KI kann einem Teilnehmer vor einer Konferenz die relevantesten Sessions empfehlen. Sie kann aus seinem Profil passende Gesprächspartner identifizieren und nach der Veranstaltung eine individuelle Zusammenfassung erstellen.

Sie kann aber nicht an seiner Stelle Vertrauen zu einem neuen Geschäftspartner entwickeln.

Ein AI Agent kann einen Kunden mit allen Produktinformationen versorgen. Er kann Angebote vergleichen und Fragen vorbereiten. Die Entscheidung für eine langfristige Zusammenarbeit entsteht bei komplexen B2B-Beziehungen trotzdem häufig in einem menschlichen Kontext.

Je effizienter Information verfügbar wird, desto stärker verschiebt sich der Wert realer Begegnungen von der reinen Informationsvermittlung zur Beziehung.

Personalisierung macht Veranstaltungen relevanter

Ein weiterer Effekt von KI ist die Möglichkeit, Live-Erlebnisse stärker auf einzelne Teilnehmer auszurichten.

Statt jedem Besucher dasselbe Programm anzubieten, können Interessen, Rollen, bisherige Interaktionen und Ziele genutzt werden, um Inhalte, Meetings und Networking gezielter vorzuschlagen.

Freeman zeigte 2025 in einer Untersuchung zum Networking auf Präsenzveranstaltungen, dass Teilnehmer durchaus bereit sind, relevante berufliche Informationen zu teilen, wenn dadurch bessere persönliche Kontakte entstehen. 83 Prozent würden etwa ihre Branchenerfahrung und 64 Prozent ihre Rolle oder beruflichen Verantwortlichkeiten teilen.

KI kann damit aus einer großen Veranstaltung viele individuellere Journeys machen. Der reale Kern bleibt jedoch das Gespräch zwischen Menschen.

Die Rolle der Eventteams verändert sich

Wenn KI mehr operative Aufgaben übernimmt, verändert sich auch die Arbeit von Event-, Marketing- und Kommunikationsteams.

Weniger Zeit muss in wiederkehrende Textproduktion, Recherche, Datenaufbereitung oder administrative Abläufe fließen. Mehr Zeit kann in Zielgruppenverständnis, Dramaturgie, Experience Design, Community, Partnerschaften und die Qualität der Begegnung investiert werden.

Das ist eine wichtige Verschiebung: KI ersetzt nicht zwangsläufig die kreative und strategische Arbeit rund um Live-Kommunikation. Sie kann Teams von Teilen der Produktionslast entlasten.

Die entscheidende Kompetenz wird dann weniger sein, jedes Detail manuell zu bearbeiten, sondern die richtige Verbindung aus Technologie und menschlicher Erfahrung zu gestalten.

IRL wird zum Gegenpol und zur Ergänzung digitaler Skalierung

Mit generativer KI wird digitale Kommunikation nahezu unbegrenzt skalierbar. Texte, Bilder, Videos und personalisierte Botschaften können in einer Geschwindigkeit und Menge produziert werden, die vor wenigen Jahren undenkbar war.

Knappheit verschiebt sich dadurch.

Nicht Content ist knapp. Aufmerksamkeit ist knapp. Vertrauen ist knapp. Zeit mit relevanten Menschen ist knapp.

Genau deshalb kann eine reale Begegnung an Wert gewinnen.

Ein Gespräch, ein gemeinsames Erlebnis oder ein persönlicher Eindruck lässt sich nicht mit einem weiteren automatisierten Touchpoint gleichsetzen. IRL Marketing wird damit zur Ergänzung einer zunehmend AI-getriebenen Customer und Employee Journey.

Diskussion über künstliche Intelligenz beim OSCE Winter Meeting in Wien. © OSCE Parliamentary Assembly, CC BY-SA 2.0

Die NEXTLIVE Perspektive

Für NEXTLIVE gehören KI und IRL Marketing deshalb zusammen.

KI kann die Infrastruktur hinter realen Touchpoints intelligenter machen: bei Recherche und Planung, Matching, Registrierung, Teilnehmerkommunikation, Wissensmanagement, Datenanalyse und Nachbereitung.

Das Ziel ist nicht, die menschliche Begegnung zu automatisieren.

Das Ziel ist, alles zu automatisieren oder zu vereinfachen, was Menschen davon abhält, sich auf die Begegnung zu konzentrieren.

KI verändert Informationsbeschaffung und Prozesse, die Entscheidungen bleiben beim Menschen.

Die Zukunft der Live-Kommunikation ist deshalb nicht analog gegen digital und auch nicht Mensch gegen KI.

Sie ist eine neue Arbeitsteilung.

KI skaliert Planung, Information und Personalisierung.<br />IRL schafft Vertrauen, Emotion, Beziehung und Entscheidungen.

Je leistungsfähiger die eine Seite wird, desto wertvoller kann die andere werden.


Bildquellen: Elekes Andor, CC BY 4.0, OSCE Parliamentary Assembly, CC BY-SA 2.0

THEMEN

KI Eventmanagement, IRL Marketing, Experience Marketing, künstliche Intelligenz Events, Eventplanung KI, Event Personalisierung, Live-Marketing