Fleming Peters (rechts) von FUTURE MOVES by OMR im Panel auf der NEXTLIVE-Bühne.

Marken und Live-Kommunikation

Je digitaler die Welt wird, desto wichtiger werden reale Begegnungen

KI, hybride Arbeit und digitale Kommunikation machen Austausch schneller und skalierbarer. Gleichzeitig wächst der strategische Wert echter Begegnungen. Nicht trotz Digitalisierung, sondern gerade deswegen.

Wir können heute nahezu jederzeit kommunizieren. Teams arbeiten über Ländergrenzen hinweg, Videokonferenzen ersetzen Reisen, Social Media verteilt Inhalte in Sekunden und KI produziert, analysiert und personalisiert Kommunikation in einem bislang ungekannten Maßstab.

Das ist ein Fortschritt. Aber mit der Skalierung digitaler Kommunikation verändert sich auch der Wert dessen, was sich nicht beliebig skalieren lässt: persönliche Aufmerksamkeit, gemeinsames Erleben und Vertrauen zwischen Menschen.

Genau hier beginnt IRL Marketing. Wir verstehen darunter die gezielte Gestaltung realer Kontaktpunkte zwischen Unternehmen, Marken und Menschen. Live-Kommunikation, Experience Marketing, Live-Marketing, Messen, Kundenveranstaltungen oder interne Formate sind unterschiedliche Ausprägungen davon.

Im NEXTLIVE-Interview: Kathrin Franssen, Global Business Solutions DACH & NL bei TikTok.

Digitalisierung macht Kommunikation effizienter

Die Entwicklung beschleunigt sich. Microsoft beschreibt im Work Trend Index 2026 eine Arbeitswelt, in der KI und Agents zunehmend operative Aufgaben übernehmen, während Menschen stärker steuern, entscheiden und Verantwortung für Ergebnisse tragen.

Auch hybride Arbeit ist längst Teil der Unternehmensrealität. Vodafone Deutschland führte bereits 2021 ein Arbeitsmodell ohne feste Homeoffice-Quote ein. Bemerkenswert ist die Begründung für die verbleibenden Büroflächen: Vodafone bezeichnete sie ausdrücklich als Orte für spontane Momente, Teambildung, Ideenaustausch, Kreativität und Unternehmenskultur.

Das ist ein wichtiges Signal. Je weniger Menschen für Routinearbeit am selben Ort sein müssen, desto klarer muss der Grund für physische Präsenz werden.

Was digital schwer skalierbar bleibt

Digitale Kommunikation ist hervorragend darin, Informationen zu verteilen. Sie kann Reichweite schaffen, Prozesse beschleunigen und Wissen verfügbar machen.

Beziehungen funktionieren jedoch nach einer anderen Logik. Vertrauen entsteht nicht allein durch die Zahl der Kontakte. Produkte werden nicht automatisch verständlicher, weil Menschen mehr Content sehen. Unternehmenskultur entsteht nicht durch einen Feed.

Der 2025 veröffentlichte Freeman Trust Report, durchgeführt mit The Harris Poll, zeigt diese Differenz aus Sicht von Unternehmen deutlich: 93 Prozent der befragten Event-Entscheider schreiben Live-Events einen positiven Einfluss auf Markenvertrauen zu, 92 Prozent auf Markenbekanntheit und ebenfalls 92 Prozent auf die Gewinnung neuer Kunden.

Solche Zahlen sind kein Beweis dafür, dass ein Event grundsätzlich besser funktioniert als ein digitaler Kontakt. Sie zeigen aber, welche Aufgabe Unternehmen realen Begegnungen zuschreiben: Sie sollen Beziehungen vertiefen.

Dr. Thomas Dmoch (Capgemini) und Nina Celik (GROHE, li.) zu Gast auf der NEXTLIVE-Bühne.

IRL und digital sind keine Gegensätze

Die interessante Entwicklung ist deshalb nicht die Rückkehr in eine analoge Welt. Sie ist die Verbindung beider Welten.

Ein reales Erlebnis kann digital vorbereitet werden. Registrierung, Matchmaking und Personalisierung können durch Daten und KI verbessert werden. Ein Event produziert Content für Social Media, Streaming und weitere digitale Kanäle. Gespräche vor Ort können anschließend in CRM- und Vertriebsprozesse einfließen.

Der AUMA formuliert diese Entwicklung für Messen sehr klar: Ihr Mix aus physischer Präsenz, persönlicher Begegnung und digitalen Elementen mache sie zu strategischen Plattformen moderner Unternehmenskommunikation.

Dr. Jan Trenczek vom Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos geht noch einen Schritt weiter. Mit Blick auf KI in der Messewirtschaft sagt er:

„KI ersetzt die persönliche Begegnung nicht, sondern erhöht deren Relevanz.“

Warum Unternehmen wieder bewusster Begegnungen schaffen

Wenn ein Videocall für ein Statusmeeting ausreicht, muss niemand dafür reisen. Wenn ein Produkt digital erklärt werden kann, braucht es nicht automatisch eine Bühne.

Gerade deshalb gewinnen die Situationen an Bedeutung, für die Menschen bewusst zusammenkommen.

Im B2B-Vertrieb kann das die Demonstration einer komplexen Technologie sein. Im HR ein Onboarding oder Leadership Meeting. Im Marketing eine Brand Experience. In der Innovation ein Workshop mit Kunden und Partnern. In der internen Kommunikation ein Format, das Orientierung und Zugehörigkeit schafft.

Auch im industriellen Mittelstand bleibt der persönliche Austausch zentral. Michael Stelzig, Co-Founder und Geschäftsführer des Deep-Tech-Unternehmens fiveD, sagte 2025 nach seiner ersten großen Messebeteiligung: „Wie so oft hat sich gezeigt, wie wichtig das persönliche Gespräch für komplexe technische Lösungen ist.“

Das ist der Kern: Je effizienter Information digital übertragen werden kann, desto stärker können reale Formate auf das konzentriert werden, was digitale Kommunikation nur eingeschränkt leistet.

Michael Schröder, EMEA Events-Executive bei Adobe, im Interview mit Vanessa von NEXLTIVE.TV.

Die NEXTLIVE Perspektive

Für NEXTLIVE folgt daraus eine einfache These:

Die Zukunft der Kommunikation ist hybrid. Digital skaliert. IRL schafft Tiefe und Vertrauen.

Das bedeutet nicht, dass Unternehmen möglichst viele Veranstaltungen produzieren sollten. Es bedeutet, bewusster zu entscheiden, wann eine reale Begegnung einen strategischen Mehrwert schafft.

Mit dieser Entwicklung verändert sich auch IRL Marketing selbst. Wenn reale Touchpoints in Marketing, Vertrieb, HR, Innovation oder Unternehmenskommunikation wichtiger werden, können sie nicht dauerhaft wie voneinander getrennte Einzelprojekte behandelt werden.

Unternehmen haben ihre digitale Kommunikation in den vergangenen Jahrzehnten systematisiert. Für Websites, CRM, Marketing Automation, Collaboration und Analytics existieren Plattformen, Datenmodelle und Prozesse.

Die reale Kommunikation braucht eine vergleichbare Professionalität.

Denn je digitaler unsere Welt wird, desto wertvoller werden die Momente, in denen Menschen tatsächlich zusammenkommen.

THEMEN

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