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Messen im Wandel: So sieht die Zukunft aus!

Digitale Komponenten verstärken Live-Events

Wie sehen Messe- und Kongressformate der Zukunft aus? Welche Rolle spielen dabei digitale und hybride Elemente und wie kann es gelingen, den Kundennutzen künftig wieder mehr in den Fokus von Messen und anderen wirtschaftsbezogenen Veranstaltungen zu rücken. Diese und weitere spannende Fragen diskutieren Vanessa Christin Pöhlmann und Sjoerd Weikamp mit ihren Gästen in der aktuellen Folge von Around the World - An International Talkshow on the Road2BOE.

Dr. Kai Kottenstede, stellvertretender Pressesprecher der Messe Berlin: "Dass ein gewisses Maß an Hybridisierung auch nach Corona bleiben wird, steht außer Frage. Es gilt herauszufinden, wieviel Hybridisierung braucht der Markt, um Mehrwerte zu erzeugen."

Foto: Dr. Kai Kottenstede, stellvertretender Pressesprecher der Messe Berlin.

Das Thema der aktuellen NEXTLIVE.TV-Episode lautet: Messen im Wandel. Dazu begrüßen Vanessa Christin Pöhlmann und Sjoerd Weikamp Marvin Boettcher, Projektleiter der Messe Dortmund, Michael Degen, Prokurist und Bereichsleiter Inlandsmessen bei der Messe Düsseldorf, Maurits van der Sluis, COO und Vorstand bei der Messe RAI Amsterdam, Martin Michel, Geschäftsführer beim RheinMain CongressCenter Wiesbaden, und Dr. Kai Kottenstede, stellvertretender Pressesprecher der Messe Berlin.

Die pandemische Situation habe wie eine aufgezwungene Transformation auf die Messe- und Eventlandschaft in unserem Land gewirkt, sagte der Wirtschaftsessayist, Buchautor und Mitbegründer von brand eins, Wolf Lotter, beim Gipfeltreffen der Veranstaltungswirtschaft vor gut einem Jahr in Wiesbaden. Er kritisierte dabei, dass der sechstgrößte Wirtschaftszweig über viele Jahre hinweg zu sehr nach innen gerichtet agierte - die Zielgruppe der Veranstaltungswirtschaft aber nicht in der Branche selbst, sondern viel mehr auf Auftraggeberseite zu finden sei. Künftig ginge es laut Lotter vor allem darum, den Kundennutzen wieder viel mehr in den Fokus der Messe- und Eventlandschaft zu rücken.

Messe Dortmund: "Wir führen Menschen zusammen und vernetzen sie."

Die BOE ist die internationale Leitmesse der Veranstaltungswirtschaft und bildet jährlich den Jahresauftakt der Eventbranche. Pandemiebedingt findet die BOE in diesem Jahr als zweitägiger Kongress unter dem Titel BOE connect LIVE am 04. und 05. Mai 2022 in der Messe Dortmund statt. Marvin Boettcher, Projektleiter der Messe Dortmund, sagt im Interview mit NEXTLIVE.TV: "Messegesellschaften beschäftigen sich schon länger damit, ihre USPs über die klassische Vermarktung von Flächen hinaus in zusätzlichen Leistungen abzubilden. Dabei geht es im Wesentlichen darum, Menschen zusammenzuführen und miteinander zu vernetzen. Das Ganze hat in der pandemischen Situation allerdings noch einmal eine andere Dringlichkeit gewonnen", so der Projektleiter der BOE International.

Foto: Marvin Boettcher (Messe Dortmund) im NEXTLIVE.TV-Interview mit Vanessa Pöhlmann.

Messe Düsseldorf: "Wir stehen für maximale Kundenorientierung und hohe Internationalität."

Die Messe Düsseldorf gehörte 2019 mit einem Jahresumsatz von rund 369 Mio. Euro zu den erfolgreichsten Messegesellschaften in Deutschland. Den Ausblick in die (nahe) Zukunft sieht Michael Degen, Bereichsleiter Inlandsmessen bei der Messe Düsseldorf, dennoch eher bescheiden: "Wenn Messen überhaupt wieder stattfinden können, ist das in der pandemischen Situation schon als Erfolg zu werten. Wenn dies dann mit entsprechenden wirtschaftlichen Ergebnissen verknüpft werden kann, ist das umso schöner." An die Zahlen aus 2019 werde man in den nächsten 12-18 Monaten allerdings noch nicht wieder anknüpfen können: "Wenn wir uns als Branche 2025/2026 auf dem Niveau von 2019 wiederfinden, können wir alle sehr zufrieden sein", so der Prokurist der Messe Düsseldorf.

Foto: Michael Degen, Bereichsleiter Inlandsmessen und Prokurist bei der Messe Düsseldorf.

Mit dem Caravan Salon konnte die Messe Düsseldorf im vergangenen Jahr den ersten großen Erfolg seit Beginn der Coronakrise für sich verbuchen. Trotz der pandemischen Situation konnte sich die Bilanz sehen lassen: 653 Aussteller aus 31 Ländern bespielten an 10 Messetagen 13 Messehallen und zogen insgesamt über 185.000 Besucherinnen und Besucher auf das Gelände der Messe Düsseldorf. Das größte Problem in der pandemischen Situation sieht Michael Degen jedoch in der Planungssicherheit für Eventorganisatoren, da große Veranstaltungen wie der Caravan Salon eine entsprechende Vorlaufzeit benötigen.

RMCC Wiesbaden: "Es gilt künftig, Veranstaltungsformate anders zu strukturieren."

Martin Michel - Geschäftsführer des RMCC Wiesbaden - sieht die gesamte Veranstaltungswirtschaft in einer Umbruchsituation. Die zentrale Frage dabei lautete: "Haben Präsenzveranstaltungen überhaupt noch eine Zukunft? Wir sind dann sehr schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass Präsenzveranstaltungen ganz sicher zukunftsfähig sind, allerdings werden sich die Formate künftig verändern." 2021 organisierte der Chef der Wiesbaden Congress & Marketing unter dem Titel 'Pfade in die Zukunft' eine zweitägige Hybrid-Veranstaltung, bei der führende Köpfe der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft die Zukunft von wirtschaftsbezogenen Events diskutierten.

Foto: Martin Michel, Geschäftsführer Wiesbaden Congress & Marketing, im Foyer des RMCC.

Martin Michel - Wiesbaden Congress & Marketing: "Wir verstehen uns im RMCC und den anderen Eventlocations in Wiesbaden als People Pilots - wir bringen Menschen und Themen zusammen." Auf die Frage, ob man auch im Kongressgeschäft wieder eine verstärkte Nachfrage nach Präsenzveranstaltungen spüre, sagte Martin Michel: "Ja, wir konnten im vergangenen Jahr wieder eine Reihe von Veranstaltungen unter 2G- und 3G-Regelungen durchführen und die durchschnittliche Auslastung von über 75% zeigt auf, dass die persönliche Begegnung in Form von Kongressen und anderen wirtschaftsbezogenen sowie kulturellen Veranstaltungen absolut zukunftsfähig ist." Der klassische Moment der Frontalveranstaltung habe jedoch keine Zukunft, führte der studierte Betriebswirt im Gespräch weiter aus.

Messe RAI Amsterdam: "Digitale Komponenten werden Live-Events ergänzen, nicht verdrängen."

Maurits van der Sluis ist COO und Vorstand bei der Messe RAI Amsterdam. Für das Interview mit NEXTLIVE.TV zur Road2BOE wurde er live aus Paris hinzugeschaltet, wo er an der 71. ICA Konferenz teilnahm. Auf die Frage, wie sich das Messe- und Eventgeschäft in den Niederlanden aktuell darstellt, sagte er: "Nachdem 18 Monate so gut wie gar nichts möglich war, lief das Geschäft im August und September 2021 besser an als gedacht. Die erste Veranstaltung haben wir am 20. September 2021 durchgeführt. Seither haben wir in der Messe RAI Amsterdam acht große, internationale Messen und Kongresse umgesetzt", so der Niederländer. Man habe sich von 35 % der Belegschaft trennen müssen, das sei ein harter Schnitt gewesen.

"Digitale Komponenten erweitern Präsenzveranstaltungen": Die Zukunftsvision der Messe RAI Amsterdam schilderte Maurits van der Sluis so: "Zunächst mal galt es für uns, die Krisensituation zu managen, das war kein leichtes Unterfangen. Dazu musste eine große Reorganisationsmaßnahme durchgeführt und harte Kosteneinsparungen vorgenommen werden. Glücklicherweise hat der niederländische Staat die Veranstaltungswirtschaft sehr gut unterstützt."

Foto: Live aus Paris zugeschaltet: Maurits van der Sluis, COO bei der Messe RAI Amsterdam.

"Live-Events werden in Zukunft noch effektiver": Digitale Komponenten werden Live-Events künftig nicht verdrängen, führte er weiter aus, allerdings würden digitale Elemente Präsenzveranstaltungen ergänzen und damit verstärken. Als Beispiele nannte der Vorstand der Messe RAI Amsterdam digitale Elemente, wie 360°-Experiences von Messeformaten oder digitale Matchmaking-Angebote. An hybride Formate glaubt Maurits van der Sluis nicht: "Die Zukunft wird digital und live sein, das heißt Events werden über digitale Formate oder als Präsenzveranstaltungen umgesetzt."

Messe Berlin: "Den Wandel gab es schon immer und den wird es immer geben."

Dr. Kai Kottenstede ist stellvertretender Pressesprecher der Messe Berlin. Auf die These von Wolf Lotter, dass das alte Messesystem tot sei, sagte der Politikwissenschaftler: "Nach fast zwei Jahren Pandemie haben wir gelernt, dass Live-Events ganz offensichtlich immer noch leben und das Bedürfnis der persönlichen Begegnung immer noch da ist, vielleicht sogar noch etwas stärker als vor der Pandemie."

ITB NOW ergänzt die ITB erfolgreich
"Wir arbeiten bereits erfolgreich mit solchen Tools. Mit der ITB NOW als digitale Erweiterung der ITB und der CMS PLUS als Ergänzung zur Fachmesse CMS haben wir zwei innovative, digitale Plattformen entwickelt. Dabei haben wir die jeweiligen Live-Events nicht ersetzt, sondern aufgebohrt und mit den digitalen Formaten ergänzt und erweitert."

Dr. Kai Kottenstede: "Messe ist nicht gleich Messe"
Die Zukunft des Marktplatzes Messe sieht Dr. Kai Kottenstede zuversichtlich: "Obwohl die ITB NOW mit 3.500 Ausstellern und über 65.000 Besuchern ein großer Erfolg war, wird die ITB auch künftig wieder als große Präsenzveranstaltung stattfinden. Dass ein gewisses Maß an Hybridisierung auch nach Corona bleiben wird, steht außer Frage. Es gilt herauszufinden, wie viel Hybridisierung braucht der Markt, um Mehrwerte zu erzeugen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass Messe nicht gleich Messe ist."

Around the World - An International Talkshow on the Road2BOE
'Around the World - An International Talkshow on the Road2BOE' ist eine Co-Produktion von NEXTLIVE.TV und der Messe Dortmund, sie bildet den digitalen Auftakt zur #BOE Connect Live am 04. und 05. Mai 2022 in der Messe Dortmund. Die BOE International ist die führende Fachmesse für Erlebnismarketing.

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